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Briesen-Kaserne (Flensburg)

Ehemalige und aktive Kasernen
Briesen-Kaserne
Standort Flensburg


Die Briesen-Kaserne (heute zumeist: Gartenstadt Weiche) wurde 1956/57 im Flensburger Stadtteil Weiche errichtet und 1958 von den ersten Bundeswehreinheiten bezogen. Parallel dazu waren auch US-Truppen bis in die 1990er Jahre in der Kaserne stationiert. Die Kaserne war von 1964 bis 1997 nach General Kurt von Briesen  benannt. Nach der Schließung der Kaserne im Jahr 1997 wurden die  Kasernengebäude zu Wohngebäuden umgenutzt und das umliegende Gelände  bebaut, womit die „Gartenstadt Weiche“, eine Gartenstadt entstand.

Ehemals stationierte Truppenteile:
. . der Bundeswehr:
  • Panzergrenadierbrigade 16 (H)
    • 3./ Versorgungsbataillon 166 (H) (1959–1972)
  • Fernmeldeausbildungskompanie 601 (H) (1993–1997)
  • Grenadierbataillon 16 (H)
  • Panzergrenadierbataillon 163 (H)
  • Raketenartilleriebataillon 650 (H) (1973–1993)
    • Nachschubkompanie Sonderwaffen 611 (H)
  • Instandsetzungsbataillon 610
  • Heimatschutzkommando 13/Heimatschutzbrigade 51 (H)
    • Jägerbataillon 381 (H) (bis 1981) nachmalig
    • Jägerbataillon 511 (H) (1981–1997)
    • Panzerbataillon 513 (H)
    • Panzerbataillon 514 (H)
      • 1./ Panzerbataillon 514 TE 035 (H)
      • 2./ Panzerbataillon 514 (H)
    • Jägerregiment 71 vormals HSchRgt 71 (1992?-1996/97?)
      • Jägerbataillon 612 (na) HSchBrig 61, WBK I
  • Flugabwehrraketenbataillon 39 (L)
    • Stab/Flugabwehrraketenbataillon 39 (L)
      • 2./Flugabwehrraketenbataillon 39 (L)
      • 3./Flugabwehrraketenbataillon 39 (L)
      • Vers./Flugabwehrraketenbataillon 39 (L)
  • Zahnarztgruppe 101/1
  • Fernmeldekompanie Wehrbereich (2./Führungsunterstützungsregiment 10)
  • Sicherungsbataillon 610 (na) (1981?-1993?)
  • . . der US-Armee:
    75th Artillery Regiment  
      • 294th US Army Artillery Group
      • 99th Ordnance Detachment



    Wappen mit artilleristischem Bezug:


    RakArtBtl 650

    Geschichte dieses Verbandes:
    Das Raketenartilleriebataillon 650 war ein Verband des Heeres der Bundeswehr, der zuletzt von 1973 bis 1993 in der Briesen-Kaserne in Flensburg-Weiche stationiert war. Das Bataillon hatte die Aufgabe, im Falle eines möglichen Atomkrieges Kurzstreckenraketen mit nuklearen Sprengköpfen zu verschießen.
    Am 16. Mai 1963 wurde das RakArtBtl 650 in Eschweiler aufgestellt. Bereits ein Jahr später wurde der Verband nach Breitenburg/Nordoe bei Itzehoe in die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne verlegt. Dort blieb er bis 1973. Ab dem 1. April 1973 bis zur Auflösung im September 1993 war das Bataillon in der Briesen-Kaserne in Flensburg-Weiche stationiert. Bei der Aufstellung erhielt es die Sergeant-Rakete. 1976 wurde das Bataillon auf die Lance-Rakete umgerüstet. Diese wurden bei der Bundeswehr transportiert auf dem Lade- und Transportpanzer M668 Kettenfahrzeug  und gestartet vom M752 bzw. vom abnehmbaren Startgestell M 782. Diese  Kettenfahrzeuge basierten auf den US-amerikanischen Typ M667,  weiterentwickelt aus dem Transportpanzer M113.


    Eingang eines Kasernenblocks des RakArtBtl. 650 ca. 1976

    Das Raketenartilleriebataillon 650 hätte den Auftrag gehabt, mit seinen Lance-Kurzstreckenraketen Feuerschwerpunkte mit atomarem Feuer für das deutsch-dänische Korps LANDJUT zu bilden. Dazu unterstand es im Frieden dem  Artillerieregiment 6 der 6. Panzergrenadierdivision, im Einsatz dem Artilleriekommando 600.
    Die Stabs- und Versorgungsbatterie hatte folgende Aufgaben: Herstellen, Betreiben und Unterhalten der für den Einsatz des Bataillons  erforderlichen Fernmeldeverbindungen, Erkunden, Einrichten und Sichern  der Gefechtsstände, Bereitstellen der Versorgungsgüter und  Bewirtschaftung und Instandsetzung des Materials sowie  sanitätsdienstliche Versorgung aller Soldaten.
    Die schießenden Batterien mit je zwei Waffensystemen Lance hatten Feuerstellungen  zu erkunden, zu vermessen und vorzubereiten, Feuerkommandos zu  errechnen und Flugkörper Lance zu transportieren, zu prüfen, zu  montieren und zu verschießen.
    Die Aufgaben der Begleitbatterie waren Einrichten, Betreiben und  Sichern von Versorgungspunkten sowie Durchführen und Sichern von  Munitionstransporten. Sie bewachte auch das Sondermunitionslager in Meyn und war dabei auf eine besonders enge Zusammenarbeit mit dem Detachment der 59th Ordnance Brigade angewiesen.
    Über Jahre hinweg nahm das Raketenartilleriebataillon 650 an zahlreichen NATO-Tests, Prüfungen und Übungen teil. So verschossen die Batterien im Wechsel einmal jährlich Lance-Raketen auf dem Übungsplatz NATO Missile Firing Installation (NAMFI) auf Kreta.
    Das Bataillon wurde 1993 aufgelöst, das Sondermunitionslager geschlossen.


    Sergeant-Rakete mit Werfergestell auf Sattelauflieger



    Transportpanzer M668 mit Lance-Rakete (1976)




    Geschichte der Briesen-Kaserne:
    Im 19. Jahrhundert wurde der Truppenübungsplatz der Kaserne zunächst als Exerzierplatz der preußischen Armee angelegt. Der kleinere, ältere Exerzierplatz beim Stadtteil Friesischer Berg wurde sodann in „Kleine Exerzierslücke“ umbenannt, ist aber heute nur noch verkürzt als Festplatz Exe bekannt. Flensburg entwickelte sich in der preußischen Zeit schrittweise zu einer Militärstadt. So wurde unter anderem 1877 die Duburg-Kaserne im Norden der Stadt errichtet und im Osten der Stadt entstand seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Stützpunkt Flensburg-Mürwik, wo noch heute die Deutsche Marine beheimatet ist.
    Größtenteils wurde der Exerzierplatz in Weiche durch den  Jägerslusthof landwirtschaftlich genutzt, den eine Familie Wolff (jüdischen Glaubens) ab zirka 1907 besaß. Als sich die Lage dieser Menschen in Deutschland der 1930er Jahre zuspitzte, wandelte Christian Wolff den Hof zu einem Kibbuz um. Viele spätere Pioniere des heutigen Israels machten dort eine landwirtschaftliche Ausbildung. In der Pogromnacht des 9. Novembers 1938 überfielen SS und Polizeieinheiten unter dem Befehl von Hinrich Möller  den Hof. Christian Wolff wurde die Flucht nach Dänemark ermöglicht, von  wo er in die USA emigrierte. Seine Frau und Kinder wurden in ein  Konzentrationslager nach Lettland verschleppt und dort ermordet. Nach  1938 wurde das Gelände durch die Wehrmacht militärisch für die Luftwaffe genutzt und durch den Reichsarbeitsdienst (RAD) ausgebaut. Nach dem Krieg  wurden dort Flüchtlinge untergebracht. Die RAD-Gebäude wurden ab 1956  als Grundlage zum Bau der Kaserne genutzt, von denen einige für die  Standortverwaltung und Versorgungszwecke bis 1999 erhalten blieben. Das  Gebiet des Jägerslusthofes bis Ellund (mit Ausnahme des Flugplatzes) war bis 1999 der Truppenübungsplatz (TrÜbPl Jägerslust) der Briesen-Kaserne. Nach Ende des Kalten Kriegs  fiel die Kaserne in die Auswahl der Bundeswehr-Standorte, die  aufgegeben werden sollten. Am 6. September 1996 wurde dieser Umstand mit  einem Tag der offenen Tür nochmals gefeiert und 1997 verließen die  letzten Einheiten die Kaserne.


    Briesen-Kaserne mit der markanten Antennenanlage im Hintergrund (um 1975)

     
    Die Kaserne wurde zunächst nach ihrer Errichtung als Heereskaserne Flensburg-West bezeichnet. Im Jahre 1964 wurde sie nach General der Infanterie Kurt von Briesen  (1883–1941) benannt. Briesen trat am 26. September 1904 als  Fahnenjunker in das Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 der  Preußischen Armee in Berlin ein und stieg bis 1913 zum Oberleutnant auf. Während des Ersten Weltkrieges nahm er an der Offensive an der Westfront teil und erreichte den Rang des Hauptmanns. In der Weimarer Republik organisierte den Grenzschutz in der Provinz Pommern. Ab 1934 wurde er reaktiviert. Mit seinem Großverband nahm er 1940 auch am Westfeldzug in Frankreich  teil und seine Division durfte als besondere Auszeichnung für ihre  Leistungen während der Kämpfe vor ihrem Kommandeur Generalleutnant von  Briesen am Pariser Triumphbogen in der Hauptstadt Paris vorbeimarschieren. Während einer Frontfahrt bei Isjum am Donez wurde er am 20. November 1941 bei einem Fliegerangriff getötet.



    Ab 1999 wurde das Gelände in eine Art Gartenstadt umgewandelt. Die Konversions-Idee, die Briesen-Kaserne in eine Gartenstadt umwandeln zu lassen, stammte von Hermann Stell, der später Oberbürgermeister der Stadt wurde. Das Gartenstadt-Konzept hatte ab 1919 schon im Flensburger Stadtbezirk Friedheim  seinen Nieder-schlag gefunden. Einige alte Kasernengebäude aus den  1950ern wurden zu Reihenhäusern umgebaut. Der Truppenübungsplatz selbst  wurde zum Stiftungsland Schäferhaus, das der Bunde Wischen betreut. Dort werden u. a. Galloway-Rinder gezüchtet. Der nördliche Teil gehört zur Gemeinde Harrislee.  


    Erinnerungstafel im heutigen Stiftungsland Schäferhaus an das Gut Jägerslust (2009)

    Dort sind Informations-tafeln aufgestellt, die sich mit der Eiszeit oder  dem Ochsenweg genauer beschäftigen. An Stelle des von der Familie Wolff  bewohnten Guts Jägerslust, wurden vor der Erinnerungstafel drei Stolpersteine  verlegt, die an die drei weiblichen Familienmitglieder erinnern. Der  Pfad aus der Gartenstadt (die frühere Zugangsweg über den Übungsplatz)  zum Gutsgelände heißt heute Käte-Wolff-Weg. Weitere Teile des  südlichen Geländes wurden zudem großflächig neu bebaut. Im Mai 2015  wurde das Projekt der Gartenstadt abgeschlossen und ein Gedenkstein zur Erinnerung gesetzt.







    Stadtwappen Flensburg






    Geografische Lage








    VIRIBUS  UNITIS  -  FRATERNI SIMUL
    MIT  VEREINTEN  KRÄFTEN  BRÜDERLICH  ZUSAMMEN
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