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Deutsches Heer (Kaiserreich)

Die Geschichte der deutschen Artillerie
Vorwort:
Infolge der Reichsgründung am 18. Januar 1871 wurde Deutschland – als  Kaiserreich – zum Nationalstaat geeint. Das Deutsche Kaiserreich war ein  von Preußen dominierter Obrigkeitsstaat. Bis 1890 spielte Reichs-kanzler  Otto von Bismarck  in der Innen- und Außenpolitik eine prägende Rolle. Diese wurde  anschließend von Kaiser Wilhelm II. übernommen. Uxch dessen imperiale  Außenpolitik führte Europa 1914 in den Ersten Welt-krieg.




Das heutige Gebiet Deutschlands war bis 1871 ein lockerer Staatenbund [Deutscher Bund]. Bereits in der Revolution 1848/49 scheiterte der Versuch, einen deutschen Nationalstaat mit Verfassung herbeizuführen. In den 1860er Jahren entwickelte sich Preußen zur vorherrschenden Großmacht und löste die Deutsche Frage aus eigenem Antrieb. Ministerpräsident Otto von Bismarck ließ gegen den Widerstand des Parlaments eine Heeresreform durchführen [Preußischer Heereskonflikt]. Preußen entschied anschließend die drei sogenannten Deutschen Einigungskriege [1864-1871] für sich. Nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg erfolgte am 18. Januar 1871 die deutsche Reichsgründung.



Deutsches Heer war die offizielle Bezeichnung der Landstreitkräfte des Deutschen Kaiserreiches von 1871 bis 1918. Die Verfassung des Deutschen Reiches verwendet daneben noch den Begriff „Reichsheer“ in Anlehnung an das Bundesheer des Norddeutschen Bundes.



Oberbefehlshaber des Deutschen Heeres war der Kaiser. Die Truppenkontingente der deutschen Bundesstaaten standen aufgrund von Militärkonventionen unter preußischem Kommando oder waren ins preußische Heer eingegliedert. Ausnahmen waren die Heere der Königreiche Bayern, Sachsen und Württemberg. Diese Staaten hatten sich beim Beitritt zum Norddeutschen Bund sogenannte Reservatrechte ausgehandelt oder entsprechende Regelungen mit Preußen vereinbart.

Das bayerische, sächsische und das württembergische  Heer stand im Frieden unter dem Befehl seines jeweiligen Landesherren.  Ihre Verwaltung unterstand eigenen Kriegsministerien. Das sächsische und  das württembergische Heer bildeten jeweils ein in sich geschlossenes Armeekorps  innerhalb des deutschen Heeres. Das bayerische Heer stellte drei eigene  Armeekorps und stand bei der Nummerierung der Truppenteile außerhalb  der Zählung des restlichen Heeres. Die Kontingente der kleineren  deutschen Staaten bildeten in der Regel geschlossene Verbände innerhalb  des preußischen Heeres. Württemberg stellte zu Ausbildungszwecken Offiziere zum preußischen Heer ab. Lediglich Bayern verfügte neben Preußen über eine eigene Kriegsakademie. Die Trennung nach Herkunftsstaaten wurde unter den Notwendigkeiten des Ersten Weltkrieges zwar gelockert, aber nicht aufgegeben.

Der Kaiser hatte auch im Frieden das Recht, die Präsenzstärke festzulegen, die Garnisonen zu bestimmen, Festungen anzulegen und für einheitliche Organisation und Formation, Bewaffnung  und Kommando sowie Ausbildung der Mannschaften und Qualifikation der  Offiziere zu sorgen. Das Militärbudget wurde durch die Parlamente der einzelnen Bundesstaaten festgelegt. Als Streitkräfte außerhalb des  Heeres standen die Schutztruppen der deutschen Kolonien und Schutzgebiete und die Marine einschließlich ihrer drei Seebataillone unter direktem Oberbefehl des Kaisers und der Verwaltung des Reichs.



Die Artillerietruppe des Heeres im Deutschen Reich umfasste die artilleristischen Kräfte des Heeres. Diese setzte sich zusammen aus der Feldartillerie und der Fußartillerie mit der Festungs- und der Belagerungsartillerie. Zum Ein-satz kam die Artillerietruppe hauptsächlich während des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918.



Schießende Artillerie
Im Zuge der Mobilmachung 1914 wurden planmäßig aufgestellt:
  • 102 Feldartillerie-Regimenter und 29 Reserve-Feldartillerie-Regimenter mit je zwei Abteilungen zu drei Batterien mit je sechs Geschützen, die als Feldartillerie in die Artilleriebrigaden der Infanterie-, bzw. Reserve-Divisionen eingegliedert wurden oder als Fußartillerie auf Armee- oder Heeresgruppenebene geführt wurden,
  • dazu kamen 11 reitende Abteilungen der Kavalleriedivisionen zu drei Batterien mit je vier Geschützen,
  • 5 selbständige Landwehr-Batterien,
  • 22 Landsturm-Batterien,
  • 3 Landwehr-Feldartillerie-Ersatzabteilungen und
  • 40 mobile Feldartillerie-Ersatzabteilungen zu zwei Batterien mit je sechs Geschützen.

Mit der Mobilmachung 1914 wurde die Fußartillerie schließlich  aufgelöst und auf Heeresgruppen und Armeen verteilt. Bei Kriegsausbruch  standen bereit:
  • 26 schwere Feldhaubitz-Bataillone,  Kaliber 15 cm, zu je 16 Geschützen, die den Armee-Korps unterstellt  wurden, dazu ein weiteres Bataillon mit 10-cm-Geschützen, das dem  IX. Reservekorps der I. Armee an der Westfront zu Verstärkung des  rechten Angriffsflügels unterstellt wurde.
  • 14 Mörser-Bataillone, Kaliber 21 cm zu je acht Geschützen. Diese  wurden zur Bekämpfung gegnerischer Festungen an der Westfront verlegt.
  • 5 (drei schienengebundene und zwei motorisierte) Batterien schwere Küstenmörser, Kaliber 30,5 cm zu je zwei Geschützen.
  • 3 Batterien 42-cm-Mörser, davon zwei schienengebunden.
  • weitere 15 ½ Bataillone waren ortsgebunden in Festungen eingesetzt,  darunter der Großteil der 50 Reserve-Artilleriebataillone, die über  keine Bespannung und keine Munitionskolonnen verfügten.

Insgesamt betrug damit die Kriegsstärke 633 Feldartillerie-Batterien  zuzüglich 828 Feldartillerie-Batterien der Reserveformationen. Hinzu  kamen 50 Fußartillerie-Bataillone des Heeres und 122 aus  Reserveformationen. Die Artillerie zog mit 14.681 Offizieren und 412.323  Unteroffizieren und Mannschaften ins Feld und bildete damit 22 % des  Feldheeres. Die französische Feldartillerie bewies sich gegenüber der  deutschen, die deutsche und österreichische schwere Artillerie gegenüber  der der Alliierten als überlegen, was insbesondere beim Niederringen  der Grenzfestungen im Westen von großer Bedeutung war. Andererseits machte sich das Fehlen schwerer Artillerie in den Reserve- und des Landwehrkorps  bereits kurz nach dem Kriegsbeginn schmerzlich bemerkbar und erzwang  eine entsprechende Truppenvermehrung, zum Beispiel durch die Lieferung  von Marinegeschützen, später durch die Entwicklung von  Eisenbahngeschützen. Aus Ersatzeinheiten und Festungsverbänden wurden  daher weitere Bataillone aufgestellt, so dass bis 1917 jede Division  auch eine schwere Abteilung erhielt.



Die höhere Feuergeschwindigkeit ermöglichte auch in der deutschen  Feldartillerie im Kriegseinsatz zwischen Herbst 1914 und März 1915 – wie  vor dem Kriegsbeginn bereits in der französischen, schwedischen und  schweizerischen Armee – eine Reduzierung von sechs auf vier Geschütze je  Batterie, womit die Bildung von 300 neuen Batterien für die  Neuaufstellung weiterer Divisionen möglich wurde. Auch die  Artilleriebrigaden wurden bis 1917 aufgelöst. Die Divisionsartillerie wurde in einem Artillerie-Regiment mit drei  Abteilungen zusammengefasst, wovon zwei mit Feldkanonen und eine mit  Feldhaubitzen ausgerüstet wurde. Die Umgliederungen der  Divisionsartillerie wurden bis zum Frühjahr 1917, die der 1917  geschaffenen Heeresartillerie, die unter Befehl der OHL stand, bis zum Herbst 1917 abgeschlossen. Die Führung der Divisions-Artillerieverbände erfolgte durch einen Artilleriekommandeur (Arko), auf Armee-Ebene wurde der bisherige General der Fußartillerie zum „General der Artillerie“ umbenannt.

Ab Mai 1918 wurden sechs Artillerie-Regimenter erstmals mit Lastkraftwagen motorisiert.
Die Batterien der schweren Artillerie der Kaliber 13 cm und 21 cm  wurden im Sommer 1917 auf drei Geschütze, 15 cm, 17 cm auf zwei  Geschütze gebracht. Jede Batterie bekam nun eine eigene  Munitionskolonne.



Die deutsche Artillerie verwendete im Krieg 73 verschiedene Geschütztypen, davon 57 Typen Beutegeschütze.
Während des Ersten Weltkrieges wuchs die Artillerie u. a. an auf
  • 297 Feldartillerie-Regimenter mit je drei Abteilungen zu je drei  Batterien mit vier Geschützen (also insgesamt 36 Geschütze pro  Feldartillerie-Regiment)
  • 6 selbständige Abteilungen
  • 3 reitende Abteilungen
  • 6 fahrende Abteilungen
  • 7 Gebirgsartillerie-Abteilungen
  • 50 Infanterie-Geschütz-Batterien
  • 53 Infanterie-Begleit-Batterien
  • 785 leichte Munitionskolonnen
Damit besaß die Artillerie bei Kriegsende 11.300 Feldgeschütze, der  Anteil der Haubitzen zu Kanonen hatte sich seit der Mobilmachung (1:3)  verdoppelt (1:1,5). Die Stärke der schweren Artillerie war um 30 %  gewachsen.



Feldartillerie
Der  Auftrag der Feldartillerie war die unmittelbare Unterstützung der  Kampftruppe, insbesondere der Infanterie, wobei die Feldartillerie mit  ihren Geschützen die Feindziele niederkämpfen sollte, die außerhalb des  Wirkungs-bereichs der infanteristischen Handfeuerwaffen lag. Dabei lag  aufgrund der Kriegserfahrungen 1864–71 der Schwerpunkt beim weitreichenden Schrapnellschuss gegen lebende Ziele.
Eine Batterie der Feldartillerie wurde geführt von einem Batteriechef im Rang eines Hauptmanns oder Rittmeisters. Sie umfasste 1914 etatmäßig fünf Offiziere und 148 Unteroffiziere/Mannschaften mit 139 Pferden, 17 Fahrzeugen und sechs Geschützen.

Die Batterie gliederte sich in:
  • die Gefechtsbatterie mit Beobachtungswagen, der  Gefechtsstaffel aus drei (später zwei) Geschützzügen mit je zwei  Geschützen, den dazugehörigen meist sechsspännigen Protzen und drei  Munitionswagen,
  • die Gefechtsbagage mit drei weiteren Munitions- und einem Versorgungswagen
  • und die Große Bagage mit je einem Vorrats-, Lebensmittel- und Futterwagen und der Feldschmiede.

Die Kanoniere waren mit Pistolen, die Offiziere mit Degen  bewaffnet, zur Nahverteidigung sollten die Besatzungen ihr Geschütz  einsetzen. Nachdem es jedoch 1914 an der Ostfront durch  Kavallerieüberfälle zu Verlusten gekommen war, begann auch die  Ausrüstung der Artilleristen mit Gewehr oder Karabiner. 1918 kamen pro Batterie zwei leichte MG zur Fliegerabwehr und Nahverteidigung hinzu.



Die Munitionsversorgung der Feldartillerie erfolgte über die  leichte Munitionskolonne der Abteilung, die im Stellungskrieg zum Teil  auch der Armee unterstellt wurden.

Feldgeschütze
Seit 1861 waren die bisherigen Vorderladergeschütze durch Hinterlader  ersetzt worden. Standardgeschütz war zunächst das aus Gussstahl  gefertigte Flachbahngeschütz C 73 mit dem Kaliber 7,85 cm und 8,8 cm,  abgelöst erst 1896 von der Feldkanone 96. Von Rheinmetall und Krupp modifiziert zur Feldkanone 96 n.A.  (neuer Art) kamen 1905 weitere wesentliche Verbesserungen hinzu, wie  ein Schutzschild gegen direkten Feindbeschuss, Richtsitze für die  Kanoniere, die Flüssigkeits-Rohrrücklaufbremse,  die das umständliche Neuausrichten des Geschützes nach dem Abfeuern  unnötig machte, verbesserte Richtmittel und Visiereinrichtungen wie das  Rundblickfernrohr für das indirekte Richten und einen feldgrauen  Tarnanstrich. Neben der Kanone wurde die Feldhaubitze 98/09 entwickelt,  die durch eine steilere Geschossflugbahn die Bekämpfung von Zielen im  indirekten Richten und gegen Feldbefestigungen und gedeckten  Unterständen ermöglichen sollte. Dazu kamen weitere Verbesserungen: Die  Auswertung der Erfahrungen unter anderem des russisch-japanischen  Krieges von 1905 zeigten, dass der Feuerkampf vor allem schnell und  zielgenau geführt werden musste. Batterien erhielten nun auch einen  Beobachtungswagen sowie Munitionsfahrzeuge, Schanzzeug für den  Stellungsbau, dazu Feldfernsprecher als Kommunikationsmittel und  Patronenmunition ersetzte die Kartuschen. Die schweren Geschütze bekamen  Radgürtel, so dass auch der schwere 21-cm-Mörser auf der Lafette transportiert und abgefeuert werden konnte. Für den fortlaufenden Munitionsnachschub wurden Munitionskolonnen aufgestellt.



Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs  waren die 7,7-cm-Feldkanone 96 n.A. mit 5096 Geschützen und die 10,5 cm  leichte Feldhaubitze 98/09 mit 1230 Geschützen die Standardwaffen der  deutschen Feldartillerie, erst ab 1916 wurden diese durch verbesserte  Geschütztypen ersetzt oder ergänzt.

Infanteriegeschütze
Zur  Bekämpfung von Feindzielen im direkten Richten wurden zunächst einzelne  Feldgeschütze in die Nähe der vordersten Linie zur direkten  Feuerunterstützung der Infanterie gebracht. Nachdem die französische  Armee mit der canon d’infanterie ab 1916 spezielle Infanteriegeschütze  in den Einsatz gebracht hatte, begann auch auf deutscher Seite die  Entwicklung des Infanteriegeschützes 18, das im letzten Kriegsjahr an  die Front kam.



Fußartillerie, Festungs- und Belagerungsartillerie
Am  1. November 1872 wurde im Deutschen Reich die Fußartillerie von der  Feldartillerie getrennt: Ihr Auftrag lag in der Bekämpfung von Festungen, Ortschaften, Verkehrsverbindungen und Feindartillerie im indirekten Richten mit Brisanzgranaten,  vor allem bei der Unterstützung von Belagerungsoperationen. Die  Fußartillerie erhielt ab 1893 eigene Bespannung und war damit beweglich  gemacht worden, ausgezeichnet ausgebildet und verfügte über enorme  Feuerkraft.


Ebenfalls war ihr die ortsfeste Festungsartillerie zugeordnet.
Die Fußartillerie gliederte sich in Regimenter, Bataillone und Kompanien; diese wurden 1908 in Batterien umbenannt.
Die Notwendigkeit, im Kampf um Feldbefestigungen auch schwere Geschütze heranziehen zu können, führte 1896 zur Bildung der Schweren Artillerie des Feldheeres.  Die Geschütze wurden ebenfalls durch Pferdebespannung mobil gemacht,  dabei oft in mehrere Lasten zerlegt. Als Bespannungspferde dienten  schwere Kaltblüter.  Standard-geschütze bei Kriegsausbruch 1914 waren die 15-cm-Haubitze und  der 21-cm-Mörser. Hinzu kamen später die weitreichende 10-cm-, 10,5-cm-,  13-cm- und 15-cm-Kanonen.



Eine Batterie schwerer Feldhaubitzen wurde geführt von einem Batteriechef im Rang eines Hauptmanns oder Rittmeisters. Sie umfasste 1914 etatmäßig fünf Offiziere, einen Veterinäroffizier und 224 Unteroffiziere/ Mannschaften mit 122 Pferden, 18 Fahrzeugen und vier Geschützen. Eine Batterie mit zwei 42-cm-Mörsern umfasste sogar 280 Mann.



Nach der Auflösung der Truppen bei Kriegsende 1918 entstand im Frühjahr 1919 zunächst die vorläufige Reichswehr mit 420.000 Mann.  Erst der Versailler Vertrag schuf die endgültigen Rahmenbedingungen für  die zukünftige Berufsarmee mit einer Höchststärke von 100.000 Mann.

VIRIBUS  UNITIS  -  FRATERNI SIMUL
MIT  VEREINTEN  KRÄFTEN  BRÜDERLICH  ZUSAMMEN
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