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Reichswehr in der Weimarer Republik

Die Geschichte der deutschen Artillerie

Reichswehr war während der Weimarer Republik und der ersten Jahre des „Dritten Reichs“ von 1921 bis 1935 der offizielle Name der deutschen Streitkräfte, die in jener Zeit als Berufsarmee organisiert waren. Nachdem das Deutsche Heer („Reichsheer“) im Januar 1919 aufgelöst worden war und in ein Friedensheer umgeformt werden sollte, beschloss die Reichsregierung im März 1919 die Bildung einer vorläufigen Reichswehr. Aufgrund der Bedingungen des Versailler Vertrages von 1919 unterlagen Umfang und Bewaffnung der Reichswehr starken Beschränkungen. Nach der von Adolf Hitler 1935 verkündeten „Wiedererlangung der Wehrhoheit“ (Wiedereinführung der Wehrpflicht u. ä.) ging die Reichswehr in der neuen Wehrmacht auf.

Die Reichswehr agierte als Staat im Staate,  und ihre Führung war ein wichtiger politischer Machtfaktor innerhalb der Weimarer Republik. Teils unterstützte die Reichswehr wie im Ebert-Groener-Pakt die demokratische Staatsform, teils unterstützte sie mit der Schwarzen Reichswehr  antidemokratische Kräfte. Die Reichswehr sah sich als Kaderarmee,  welche die Expertise des alten kaiserlichen Militärs erhalten und somit  die Basis für eine Wieder-aufrüstung bilden sollte.

Rüstungsbeschränkung durch Versailler Vertrag
Im V. Teil des Friedensvertrags von Versailles  hatte sich Deutschland 1919 verpflichtet, „um den Anfang einer  allgemeinen Beschränkung der Rüstungen aller Nationen zu ermöglichen“,  den Umfang und die Bewaffnung seiner Streitkräfte derart zu beschränken,  dass sie ausschließlich zur Aufrechterhaltung der Ordnung innerhalb  Deutschlands und als Grenzschutz verwendet werden konnten.

Die Personalstärke war entsprechend den Bestimmungen der Siegermächte des Ersten Weltkrieges in den Artikeln 159 bis 213 des Vertrages auf ein Berufsheer von 100.000 Mann zuzüglich einer 15.000 Mann starken Marine limitiert. Die Einrichtung eines Generalstabs blieb untersagt. Schwere Waffen wie Artillerie oberhalb des Kalibers 105 mm (Marinegeschütze oberhalb 203 mm), Panzerfahrzeuge, U-Boote und Großkampfschiffe waren verboten, ebenso jegliche Art von Luftstreitkräften. Die Bestimmungen wurden bis 1927 von der Interalliierten Militär-Kontrollkommission überwacht.

Die Rüstungsbeschränkungen umging die Reichswehrführung durch  eine Reihe geheimer und illegaler Maßnahmen: Dazu zählten der heimliche  Aufbau einer sogenannten Schwarzen Reichswehr, unerlaubte Waffentests mit Artillerie, Flugzeugen und Panzern in der Sowjetunion (siehe: Vertrag von Rapallo), die Einrichtung einer Führergehilfenschulung,  welche bestimmt war, die verbotene Generalstabsausbildung zu  kompensieren sowie die Aufrechterhaltung des Generalstabs im neu  geschaffenen Truppenamt. In der Statistischen Gesellschaft wurde zusammen mit dem Reichsverband der Deutschen Industrie Planungen für die Rüstungsindustrie ausgearbeitet. Mit Hilfe von Offizieren im Ruhestand wurden Volkssportschulen  meist in der Nähe ehemaliger Truppenübungsplätze gegründet, in denen  zur Vorbereitung der Ausbildung von Infanteristen Übungsleiter für Wehrsport ausgebildet wurden. Dies fand vor allem in Norddeutschland auch mit Unterstützung des Stahlhelms statt. Andere Hilfsmittel waren der Einsatz von z. B. Panzerattrappen für Übungszwecke.

Die Reichswehr sah sich im eigenen Selbstverständnis als  „Kaderarmee“ oder „Führerarmee“, das bedeutet, dass jeder Soldat so  ausgebildet wurde, dass er die Eignung für höhere Verantwortungsstufen  erlangte, was wiederum Grundvoraussetzung für den schnellen Aufwuchs des  Heeres nach der Verkündung der Wehrhoheit durch das NS-Regime im Jahre 1935 werden sollte.

Entstehung
Am 9. November 1918 erfolgte während der Novemberrevolution die Ausrufung der Republik, wodurch die sofortige Flucht des Kaisers Wilhelm II. in die Niederlande veranlasst wurde.

Zwei Tage später erfolgte die Unterzeichnung des Waffenstillstands von Compiègne  am 11. November 1918 womit die – neue – Regierung der zügigen Räumung  der besetzten Gebiete zugestimmt hat. Bereits am 12. November begann der Rückzug an der Westfront,  bis zum 17. Januar 1919 waren auch die linksrheinischen Gebiete frei  von deutschem Militär. Nun galt es, diese immer noch mehrere Millionen  Soldaten zählenden Verbände der „Alten Armee“  schritt-weise abzurüsten. Dies geschah in den zuvor bestimmten  Demobilmachungsorten, üblicherweise den jeweiligen Heimatgarnisonen; für  die Regimenter mit linksrheinischen Garnisonen wurden  Demobilisierungsorte im Innern des Reichs bestimmt.

Der Rat der Volksbeauftragten und die Oberste Heeresleitung beabsichtigten, nach der Demobilisierung noch bestehende Truppenteile in ein Friedensheer zu überführen. Am 19. Januar 1919 erließ die Reichsregierung  die „Vorläufigen Bestimmungen über die Bekleidung des Friedensheeres“  im Armeeverordnungsblatt 1919, Nr. 85; die am 6. Februar 1919  zusammengetretene Weimarer Nationalversammlung beschloss aber am 6. März 1919 das Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr. Es ermächtigte den Reichspräsidenten,
„das bestehende Heer aufzulösen und eine vorläufige Reichswehr zu  bilden, die bis zur Schaffung der neuen reichsgesetzlich zu ordnenden  Wehrmacht die Reichsgrenzen schützt, den Anordnungen der Reichsregierung  Geltung verschafft und die Ruhe und Ordnung im Innern aufrechterhält.“
– § 1 Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr

Die Stärke dieses Heeres sollte 400.000 Mann betragen.
Das Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichsmarine vom 16. April 1919 ermächtigte ihn, „die bestehenden Formationen der bisherigen Kriegsmarine aufzulösen  und eine vorläufige Reichsmarine zu bilden, die bis zur Schaffung der  neuen, reichsgesetzlich zu ordnenden Wehrmacht die deutschen Küsten  sichert, durch Minenräumen, Ausübung der Seepolizei und sonstige  Unterstützung der Handelsschiffahrt sicheren Seeverkehr ermöglicht, die  ungestörte Ausübung der Fischerei gewährleistet, im Verein mit der  Reichswehr den Anordnungen der Reichs-regierung Geltung verschafft und  Ruhe und Ordnung aufrechterhält.“

Die Stärke der Marine sollte 20.000 Mann betragen.

Vom 1. Oktober 1919 bis zum 1. April 1920 wurden die Streitkräfte der sogenannten Vorläufigen Reichswehr in das 200.000 Mann starke „Übergangsheer“ transformiert. Gleichzeitig entfielen die bisherigen Verbände und Dienststellen der alten Armee.  Über den Zwischenschritt von 150.000 Mann im Oktober 1920 wurde bis 1.  Januar 1921 die endgültige Heeresstärke von 100.000 Mann erreicht. Damit  wurde zum 1. Januar 1921 die Reichswehr formiert, wobei das Wehrgesetz  vom 23. März 1921 die näheren Einzelheiten regelte.

Eid
Die Soldaten wurden auf die Weimarer Verfassung vereidigt:
„Ich schwöre Treue der Reichsverfassung und gelobe, daß ich als  tapferer Soldat das Deutsche Reich und seine gesetzmäßigen Einrichtungen  jederzeit schützen, dem Reichspräsidenten und meinen Vorgesetzten  Gehorsam leisten will.“
– Eidesformel der Reichswehr vom 14. September 1919

Gliederung
Die Reichswehr war gegliedert in Reichsheer („100.000-Mann-Heer“) und Reichsmarine. Das Reichsheer bestand aus sieben Infanterie- und drei Kavalleriedivisionen, wobei alle Verbände neu durchnummeriert wurden. Territorial war das Reichsgebiet in sieben Wehrkreise eingeteilt (I–VII). Es gab zwei Gruppenkommandos, Nr. 1 in Berlin und Nr. 2 in Kassel. Die Marine war in Marinestation der Ostsee und die Marinestation der Nordsee aufgeteilt. Für die Unteroffiziere und Mannschaften betrug die Dienstzeit 12 Jahre, für Offiziere 25 Jahre.
Das Wehrgesetz beendete die Militärhoheit der Länder, beließ aber Sachsen, Württemberg, Baden und Bayern  eine beschränkte Selbstständigkeit. Der Freistaat Bayern stellte  insofern eine Besonderheit dar, als der Wehrkreis VII das gesamte  Landesgebiet mit Ausnahme der Pfalz umfasste und in der hier stationierten 7. (bayerischen) Division nur Bayern dienten. Dieser Verband genoss als Bayerische Reichswehr bis 1924 gewisse Autonomierechte gegenüber der Reichsregierung.



Die Krisenjahre 1919–1923
Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg stellte die bisherige Oberste Heeresleitung (OHL) unter Wilhelm Groener dem Rat der Volksbeauftragten unter Friedrich Ebert die Dienste der Armee zur Verfügung.

Zusammenwirken mit rechten Freikorps gegen „rote Reichsfeinde“
Die  Reichswehr sicherte damit der neuen Regierung das Überleben. In den  krisengeschüttelten frühen 1920er Jahren wurde das Militär vor allem im  Kampf gegen aufständische linke Kräfte eingesetzt, wie etwa beim Spartakusaufstand 1919.



Den 1923 aufgelösten Freikorps  überließ die Reichswehr überall dort die „Landesverteidigung“, wo ihr  der Versailler Vertrag die Hände band oder die eigene Personalstärke  nicht ausreichte (Grenzkampf gegen polnische und litauische  Freischärler, Einsatz gegen die „Rote Ruhrarmee“  im entmilitarisierten Rheinland). Mit nationalistischen Freikorps  kooperierte sie, als sie im Oktober und November 1923 anlässlich der  sogenannten „Reichsexekutionen“ gegen linke Regierungen in Thüringen und Sachsen vorging. Zu den politisch rechts stehenden, republikfeindlichen Wehr-verbänden (Stahlhelm, Kyffhäuserbund) pflegte die Reichswehrgeneralität enge Kontakte, obwohl sie sich offiziell als „unpolitisch“ bezeichnete.



Passivität beim Kapp-Putsch
Im März 1920 wurde die Reichswehr von der politischen Führung nicht gegen den Kapp-Putsch eingesetzt. Der Chef des Truppenamtes – des getarnten Generalstabs der Reichswehr – Hans von Seeckt hatte sich vorher mit der angeblichen Formulierung Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr  dagegen ausgesprochen. Seeckt besaß allerdings auch keine  Kommandogewalt. Der Chef der Heeresleitung und damit oberste Militär  Walther Reinhardt war für den Einsatz der treuen Reichswehrverbände.  Jedoch gaben weder Reichswehrminister Gustav Noske noch die  Reichsregierung den Befehl zum Einsatz. Der kommunistische Märzaufstand, der während des Kapp-Putsches im Ruhrgebiet und Sachsen  begann, wurde dagegen rücksichtslos niedergeschlagen; Teilnehmer des  Kapp-Putsches waren daran beteiligt. Als Folge des Putsches wurde der  bisherige Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) durch Otto Geßler (DDP) ersetzt.



Heimliche Rüstungskooperation mit der Sowjetunion
Seit 1921 versuchte die Führung der Reichswehr im geheimen in Zusammenarbeit mit der Roten Armee entgegen dem Versailler Vertrag die Reichswehr zu erweitern, neue Waffensysteme  einzuführen und eine Luftwaffe aufzubauen. Deutschland unterstützte die  Entwicklung moderner Technologien und konnte eigene Soldaten in der Sowjetunion ausbilden lassen.



Im Februar 1923 reiste der neue Chef des Truppenamtes, Generalmajor Otto Hasse, zu Geheimverhandlungen nach Moskau.  Deutschland unterstützte den Aufbau der sowjetischen Industrie,  Kommandeure der Roten Armee erhielten eine Generalstabsausbildung in Deutschland. Dafür erhielt die Reichswehr die Möglichkeit,  Artilleriemunition aus der Sowjetunion zu beziehen, Flieger- und  Panzerspezialisten auf sowjetischem Boden auszubilden und dort chemische  Kampfstoffe herstellen und erproben zu lassen. In der russischen Stadt Lipezk wurde eine geheime Fliegerschule und Erprobungsstätte der Reichswehr  gegründet und etwa 120 Militärpiloten, 100 Luftbeobachter und  zahlreiches Bodenpersonal als Stamm für eine zukünftige deutsche  Fliegerwaffe ausgebildet. Bei Kasan wurden Panzerfachleute ausgebildet,  allerdings erst ab 1930 und nur ungefähr dreißig. In Tomka (bei Saratow) wurden Kampfstoffe gemeinsam erprobt und entwickelt.



Im Dezember 1926 legte der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann im Reichstag diese Zusammenarbeit offen und stürzte damit die Regierung unter Wilhelm Marx. 1931 wurde der Journalist Carl von Ossietzky wegen eines Berichts über die schon bekannte Zusammenarbeit wegen Landesverrats verurteilt.


Das Ende der Weimarer Republik
Durch die Präsidialkabinette ab 1930 wurde die Macht der Reichswehr wieder größer, da nun der frühere Chef der OHL, Hindenburg, an der Macht war. Heinrich Brüning wurde als ehemaliger Soldat von der Reichswehr akzeptiert und verschonte diese von seinen unbeliebten Sparmaßnahmen. Franz von Papen  und General Kurt von Schleicher erwogen, die Reichswehr zur Abschaffung  der Demokratie einzusetzen. Außerdem war eines der Hauptziele eine im  Interesse der Reichswehr liegende Revision des Versailler Vertrages.
Als 1930 drei Offiziere (Leutnant Richard Scheringer, Leutnant Hanns Ludin  und Oberleutnant Hans Friedrich Wendt) wegen nationalsozialistischer  Betätigung in der Reichswehr vor Gericht standen, kam es zum Legalitätseid* Hitlers.


Bei der Bildung der Harzburger Front 1931 waren auch hochrangige Mitglieder der Reichswehr anwesend.
1932 verbot Groener, der inzwischen auch Innenminister geworden war, die SA. Er verlor damit das Vertrauen der Reichswehr und musste zurücktreten.
Am 13. September 1932 wurde auf Initiative der Generäle Wilhelm Groener und Kurt von Schleicher das Reichskuratorium für Jugendertüchtigung zur Wehrerziehung der deutschen Jugend gegründet.
Beim Preußenschlag wurde die vollziehende Gewalt in Berlin und Preußen vorübergehend an die Reichswehr übertragen.

* Als Ulmer Reichswehrprozess bezeichnen Historiker ein Gerichtsverfahren vor dem Reichsgericht in Leipzig gegen die Offiziere der Reichswehr Leutnant Richard Scheringer, Leutnant Hanns Ludin und Oberleutnant Hans Friedrich Wendt – alle Angehörige des 5. Artillerie-Regiments in Ulm – vom 23. September bis zum 4. Oktober 1930.
Den Soldaten wurde vorgeworfen, mit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) konspiriert und durch die Verteilung von Flugblättern zu einer nationalen Volkserhebung im Sinn der NSDAP aufgerufen zu haben.
Die Anklage lautete „Vorbereitung zum Hochverrat“ und stützte sich dabei auch auf ein Memorandum des Reichs-innenministeriums  vom 5. September 1930, in dem die Nationalsozialisten als Hochverräter  bezeichnet wurden. Ein Kernpunkt des Verfahrens war deshalb die Frage,  ob die NSDAP der Verfassung der Weimarer Republik feindlich gegenüberstand. In diesem Zusammenhang wurde Adolf Hitler, der Führer der Partei, als Zeuge gehört.
Hitler nutzte die Öffentlichkeit des Prozesses mit Unterstützung seines Rechtsbeistandes Hans Frank zu Propa-gandazwecken und legte am 25. September 1930 den sogenannten Legalitätseid ab. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Alexander Baumgarten „Wie denken Sie sich die Errichtung des Dritten Reiches?“  antwortete Hitler: „Die Verfassung schreibt nur den Boden des Kampfes  vor, nicht aber das Ziel. Wir treten in die gesetzlichen Körperschaften  ein und werden auf diese Wiese unsere Partei zum ausschlaggebenden  Faktor machen. Wir werden dann allerdings, wenn wir die  verfassungsmäßigen Rechte besitzen, den Staat in die Form gießen, die  wir als die richtige ansehen.“ Auf die Nachfrage von Baumgarten „Also  nur auf verfassungsmäßigem Wege?“ entgegnete Hitler „Jawohl“.

Das Gericht verurteilte die drei Angeklagten zu 18 Monaten Festungshaft.


VIRIBUS  UNITIS  -  FRATERNI SIMUL
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